02/03 2007
Rückblick
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"Zusammen leben - Nachbarschaft neu entdecken" Bürgerpreis der Sparkasse Kraichgau
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| ![]() Orientalisches Fest auf dem Rathausplatz 2004 ![]() |
Idee:
Bei der Planung des alljährlichen Internationalen Frauentages am 8. März, stellten sich die beteiligten Frauengruppen wie jedes Jahr die Frage, wie das Fest in Bruchsal international gestaltet werden kann.
Die Auswahl der Themen sollte schon immer auch ausländische Frauen ansprechen. Diese mit einzubeziehen war jedoch vor allem wegen sprachlicher Barrieren ein Problem. Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bruchsal, und mit mehreren Bruchsaler Frauengruppen, die meisten im Frauennetzwerk Bruchsal zusammengefasst, wurde über diesen Tag hinaus geplant, mit ausländischen Frauen ins Gespräch zu kommen. Doch wie konnten wir ausländische Interessentinnen erreichen?
Realisierung
Im Jahr 2003 und 2004 fügte sich einiges in unserem Sinne:
Nach vergeblichen Versuchen institutionell organisierte Deutschkurse für ausländische Frauen anzubieten, scheint sich eine Lösung abzuzeichnen.
Deutschkurs
Frau Fürüzan Kübach, in Deutschland geborene Türkin erkannte in ihrem Umfeld das Problem der türkischen Frauen. Sie wollte die Integration fördern und begegnete den Sprachschwierigkeiten der Türkinnen mit Deutschkursen. Mit denen sie zunächst eine Gruppe mit ca. 18 Frauen auf die von uns geplanten Kontakte zu deutschen Frauen vorbereitete.
Damit die Frauen ihre Sprachkenntnisse auch anwenden können, wandte sich Frau Kübach an die Gleichstellungsbeauftragte Inge Ganter, die im Haus der Begegnung den ersten Termin anbot und somit das erste deutsch-türkische Frühstück initiierte.
Viele Bruchsalerinnen hatten darauf gewartet und waren von Beginn an mit ehrenamtlichem Engagement aktiv dabei.
Internationales Frauencafé
Beim ersten gemeinsamen Frühstück waren durch Veröffentlichung in der örtlichen Presse gleich 36 Frauen anwesend.
Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurden auch andere ausländische Frauen angesprochen, so dass sich 4 Wochen später auch Frauen anderer Nationalitäten einfanden.
Im monatlichen Abstand wird nun seit über einem Jahr dieses Frauencafé vereinbart. Mit 50 – 60 Frauen haben wir eine Größe erreicht, die jetzt durch die Raumkapazität beschränkt wird.
Das Besondere an diesem Frühstück ist, dass es eine „Mitbringparty“ ist, d.h. es wird ausgemacht, welche Frauen oder Frauengruppen etwas mitbringen, verantwortlich sind für die Küche und nach zwei Stunden den Ort wieder gepflegt verlassen.
Nach den ersten Frauencafés, die dem Kennenlernen dienten, haben wir jedes Mal ein Thema und hören Berichte der teilnehmenden Frauen:
Fasten und Fasten brechen im Islam
Vorstellung einer türkischen Frau, ihres Landes, ihrer Heimat
Ankommen in Bruchsal
Vorstellung einer äthiopischen Frau und ihres Heimatlandes
Für diesen Sommer und Herbst werden schon die neuen Termine ausgemacht, die auch weitere Integration durch Kennenlernen der Besonderheiten und öffentlichen Räume unserer Stadt sowie die gegenseitige Information über kulturelle Werte beinhalten.
Internationaler Frauentag
Durch das Thema des Internationalen Frauentages 2005 „Ankommen in Bruchsal – Migrantinnen aus verschiedenen Ländern berichten“ wurde unser Anliegen verstärkt.
Die Frauengruppen, die an der Planung des Int. Frauentages 2005 mitarbeiteten, sind zum Teil auch in das Int. Frauencafé involviert.
Wir Frauen von FrauenNetzwerk Bruchsal e.V. glauben, dass wir einen Beitrag zum Thema „Zusammen leben – Nachbarschaft neu entdecken“ in Deutschland leisten und freuen uns über jede Art der Veröffentlichung unserer Arbeit.
Hier Fürüzan Kübachs Erläuterung für ihr Engagement:
Mein Name ist Fürüzan Kübach, ich bin türkische Staatsangehörige, wurde 1968 in Deutschland geboren und bin hier aufgewachsen. Ich bin mit einem Deutschen verheiratet und habe zwei Kinder.
Im Rahmen verschiedener sozialer Aktivitäten, wie zum Beispiel an Elternabenden und Schulfesten, fiel mir auf, dass selbst in türkischen Familien, die schon längere Zeit in Deutschland leben, massive Probleme bestehen, sich in Alltagssituationen auf deutsch zu artikulieren. Dies traf teilweise sogar auf die Kinder in diesen Familien zu, die hier zur Schule gehen. Meiner Meinung nach ist dies in hohem Maße darauf zurückzuführen, dass in den Familien überwiegend türkisch gesprochen wird, es wird in türkischen Geschäften eingekauft und türkisches Fernsehen konsumiert. Durch die mangelnde sprachliche Integration besteht die Gefahr, dass vor allem die türkischen Hausfrauen, die wenige oder keine sozialen Kontakte zu Deutschen unterhalten, in eine soziale Isolation geraten, aus der sie sich nicht aus eigener Kraft befreien können.
Um einen bescheidenen Beitrag dafür zu leisten, dass diese Frauen sich künftig in Alltagssituationen besser zurecht finden können, begann ich im Herbst 2003, aus eigener Initiative ehrenamtliche Deutschkurse für türkische Frauen anzubieten. Aufgrund des großen Anklangs und Erfolgs wurden seit dem Frühjahr 2004 mehrere Kurse durchgeführt.
Die Sprachkurse hatten weniger grammatikalische Details zum Inhalt, sondern waren ganz bewusst auf aktives Sprechen und das Bewältigen von Alltagssituationen ausgerichtet. Beispielsweise wurden Arztbesuche, Behördengänge oder der Umgang mit Schulproblemen in Rollenspielen geübt. Durch diese integrative Maßnahme konnte erreicht werden, dass die teilnehmenden türkischen Frauen ihre Hemmschwellen bei der Kommunikation mit ihrem deutschen Umfeld abbauen konnten und seitdem wesentlich offener und angstfreier in der Öffentlichkeit auftreten können.
Beflügelt durch den Erfolg der Deutschkurse und die hohe Motivation der Teilnehmerinnen, entwickelte ich, gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bruchsal, Inge Ganter, die Idee, ein internationales Frauencafé ins Leben zu rufen.
Seither findet dieses intenationale Frauencafé monatlich im Bruchsaler Haus der Begegnung statt. Das Interesse an dieser Veranstaltung wächst stetig, es nehmen mittlerweile viele Frauen aus mehreren Nationen teil. Jedesmal erklären sich ein bis zwei Frauen bereit, sich und ihr Herkunftsland vorzustellen. Dies wird von deutschen und ausländischen Frauen mit großem Interesse aufgenommen.
Die genannten Aktivitäten werden noch abgerundet durch spontane Einzelaktionen, wie z.B. einen Besuch im Bruchsaler Rathaus, praktische Übungen in der Stadt ( Besuch eines Cafés und verschiedener Geschäfte) und gemeinsames Ausfüllen verschiedener Formularsätze und Anträge.
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